Der alte Kettenhund

Ich bin allein; es ist schon Nacht
Und stille wirdís im Haus.
Dort ist ein Feuer angefacht,
dort ruht mein Herr sich aus.
Er liegt im warmen Federbett,
deckt bis ans Ohr sich zu,
und ich auf meinem harten Brett
bewache seine Ruh.

Die Nacht ist kalt, ich schlafe nicht,
der Wind aus Ost weht kalt;
die Kälte ins Gebein mir kriecht,
ich bin ja auch schon alt.
Die Hütte, die mein Herr versprach,
erlebe ich nicht mehr
Der Regen tropft durchs morsche Dach,
Stroh gab es längst nicht mehr.

Die Nacht ist kalt, der Hunger quält,
mein Winseln niemand hört-
und wüßtí mein Herr auch, was mir fehlt
er wird nicht gern gestört.
Die Nacht ist lang, zum zehnten Mal
Leck ich die Schüssel aus,
den Knochen, den ich jüngst versteckt,
den grub ich längst schon aus.

Die Kette, die schon oft geflickt,
sie rieb den Hals mir bloß.
Sie reicht nur noch ein kurzes Stück
Und nie wirdí ich sie los.

Was Freiheit ist, das lerní ich nie,
doch weiß ich, dass ich treu.
So lieg ich, warte auf den Tod,
denn dieser macht mich frei
 

(unbekannter Dichter
veröffentlicht vom Tierheim Rathenow, bei Berlin)